Drei Matches heute Abend. Eigentlich solltest du dich freuen. Stattdessen scrollst du lustlos durch die Profile und hoffst heimlich, dass einer absagt. Das gleiche Gespräch wie immer. "Was machst du beruflich?" Gähn.
Falls dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht allein. Und du bist nicht kaputt.
Laut einer Studie von Prof. Dr. Wera Aretz leiden 14 Prozent der Dating-App-Nutzer unter Dating-Burnout. Hochgerechnet sind das etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland. Weitere Untersuchungen zeigen: 78 Prozent fühlen sich erschöpft.
Dating Fatigue: Was passiert da eigentlich?
Dating Fatigue ist mehr als schlechte Laune. Prof. Aretz beschreibt drei Symptome: emotionale Erschöpfung, Zynismus gegenüber potenziellen Partnern und das Gefühl, irgendwie ineffektiv zu sein. Du gibst alles. Und bekommst nichts zurück.
Psychologin Pia Kabitzsch bringt's auf den Punkt: "Man befindet sich andauernd in einer Bewerbungsphase." Du schreibst Profiltext um Profiltext. Wartest auf Antworten. Wirst geghostet. Und fängst von vorne an.
Klingt nach Jobsuche, oder? Nur ohne Arbeitsvertrag am Ende.
Die Psychologie dahinter
Hier wird's interessant. Dating-Apps nutzen das Prinzip der intermittierenden Verstärkung. Das klingt kompliziert, ist aber simpel: Unvorhersehbare Belohnungen machen süchtig. Wie beim Spielautomaten. Du weißt nie, wann das nächste Match kommt. Also swipst du weiter.
Dein Gehirn schüttet bei jedem Match Dopamin aus. Das Problem? Der Kick kommt vom Swipen selbst, nicht vom Date. Du jagst einem Gefühl hinterher, das nie zu einer echten Verbindung führt.
Dazu kommt die Qual der Wahl. 50 Swipes am Tag? 100? Irgendwann sehen alle Profile gleich aus. Psychologen nennen das Entscheidungsmüdigkeit. Zu viele Optionen führen zu weniger Zufriedenheit, nicht zu mehr. Du denkst: "Vielleicht ist der Nächste besser." Und wischst weiter.
Woran merkst du, dass du erschöpft bist?
Ehrlich gesagt gibt's da ein paar Warnsignale. Schau mal, ob dir was bekannt vorkommt:
Du bist schon vor dem Date müde. Nicht körperlich. Emotional.
"Alle sind doch eh gleich." Wenn du das denkst, ist Zynismus eingezogen.
Du hoffst heimlich, dass dein Match absagt.
Vielleicht sogar Kopfschmerzen oder Verspannungen, wenn du an Dating denkst. Der Körper reagiert mit.
Ich glaub, das Schlimmste ist dieses Gefühl, dass du trotz aller Mühe nicht weiterkommst. Wie ein Hamsterrad, das nirgendwohin führt.
Was hilft wirklich?
Nicht noch mehr Swipen, so viel ist klar.
Dr. Johanna Degen empfiehlt: Weniger Matches sammeln, dafür die wenigen auch wirklich treffen. Qualität statt Quantität. Klingt simpel. Funktioniert aber.
Konkret? Setz dir ein Zeitlimit. Maximal 20 Minuten am Tag. Mehr nervt nur.
Räum deine alten Matches auf. Monatlich. Die 50 Konversationen von vor drei Monaten? Weg damit. Das befreit den Kopf.
Nimm Pausen. Eine bis zwei Wochen alle zwei bis drei Monate. Das ist kein Aufgeben. Das ist Selbstfürsorge.
Und vielleicht der wichtigste Tipp: Überleg dir, welche Plattform zu dir passt. Verifizierte Profile reduzieren Catfishing. Anti-Ghosting-Mechanismen reduzieren Frust. Kuratierte Communities mit klaren Interessen reduzieren das endlose Swipen durch Menschen, die ganz andere Dinge suchen.
Der Markt wächst, die Nutzer leiden
Verrückte Sache: Laut Statista empfinden 78 Prozent der Deutschen Online-Dating als oberflächlich. Trotzdem wächst der Markt jedes Jahr.
Warum? Weil die Apps so designt sind. Je länger du swipst, desto mehr verdienen sie. Ob du jemanden findest? Zweitrangig.
Du bist nicht das Problem. Das System ist es.