40% der Generation Z können sich vorstellen, eine offene Beziehung zu führen. Das klingt nach einer Revolution. Aber schaut man genauer hin, leben nur 1-2% der Bevölkerung tatsächlich konsensuelle Nicht-Monogamie. Das ist eine massive Lücke zwischen Interesse und Realität.
Ich hab mich gefragt: Woran liegt's?
Was ist ethische Nicht-Monogamie eigentlich?
ENM, wie es in der Community oft genannt wird, beschreibt Beziehungsmodelle, bei denen alle Beteiligten wissen und zustimmen, dass romantische oder sexuelle Verbindungen außerhalb der Hauptbeziehung existieren. Polyamorie, offene Beziehungen und Swinging fallen alle darunter. Der entscheidende Unterschied zu Fremdgehen? Ehrlichkeit und Konsens.
Laut einer Parship-Studie von 2023 finden 27% der Befragten Polyamorie vorstellbar. 35% könnten sich vorstellen, ihre Beziehung sexuell zu öffnen. Das sind keine Randgruppen mehr.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Hier wird's interessant. Trotz des Interesses praktizieren laut der GeSiD-Studie nur etwa 0,21% der Bevölkerung (rund 130.000 Deutsche) aktiv Swinging. Polyamorie dürfte ähnlich selten sein.
Die iamexpat-Umfrage zeigt: Ein Drittel der Deutschen hält Monogamie für überholt. Aber dieselbe Umfrage zeigt auch, dass 32% glauben, offene Beziehungen werden häufiger. Glauben. Nicht leben.
Was hält die Leute zurück?
Eifersucht ist nur der Anfang
64% der Frauen und 56% der Männer nennen Eifersucht als Hauptbarriere. Verständlich. Aber Dr. Francesca Miccoli von der Uni Basel hat etwas Wichtiges herausgefunden:
"Eifersucht ist eine weit verbreitete Emotion unter polyamoren Menschen. Jedoch machen sich Menschen in komplexeren Beziehungen, basierend auf den Prinzipien von Empathie, Ehrlichkeit und offener Kommunikation, in der Regel Mühe, an sich selbst zu arbeiten."
Die echte Herausforderung? Zeit. Prof. Dr. Ulrich Clement von der Uni Heidelberg empfiehlt polyamoren Paaren, "Zeitfenster festzulegen". Klingt unromantisch. Ist aber Realität, wenn du mehrere bedeutungsvolle Beziehungen pflegen willst.
Und dann wäre da noch das Stigma. 35% würden ihre ENM-Beziehung vor Freunden und Familie verstecken. Das ist ein Drittel.
Was Experten sagen
Paartherapeut Eric Hegmann bringt's auf den Punkt:
"Wie Menschen zusammenwohnen und sich lieben, ist individuell. Es sollte Raum geben für Sexualitäts- und Liebesvarianten außerhalb des Mainstreams, vorausgesetzt alle Beteiligten sind einverstanden."
Dem hab ich nichts hinzuzufügen.
Das Magazin Metamorphosen betont: Polyamorie erfordert mehr Kommunikation als traditionelle Beziehungen. Nicht weniger. Das schreckt viele ab.
Warum die Lücke?
Ehrlich gesagt? Ich glaub, es ist eine Mischung aus allem. Interesse ist leicht. Du scrollst durch Instagram, siehst Accounts über alternative Beziehungsformen, denkst "klingt spannend". Aber dann kommt der Alltag.
Du müsstest Gespräche führen, die unbequem sind. Eifersucht aushalten und verarbeiten. Zeit managen, die du vielleicht nicht hast. Und das alles in einer Gesellschaft, die noch nicht so weit ist.
Die Infrastruktur fehlt auch. Dating-Apps sind auf Monogamie optimiert. Communities existieren, aber sie sind verstreut. Plattformen wie SparkChambers, die kinky und alternative Beziehungsformen normalisieren, sind noch selten.