1,14 Milliarden Dollar. So viel haben Amerikaner 2023 durch Romance-Betrug auf Dating-Apps verloren. Der Tinder Swindler hat es vorgemacht. Tausende Betrüger haben es nachgemacht.
Das US-Repräsentantenhaus hatte genug. Im September 2024 verabschiedeten sie den Online Dating Safety Act (H.R. 6125) einstimmig. Die Idee: Jeder, der Tinder, Bumble oder Hinge nutzen will, muss seinen Ausweis zeigen.
Dann passierte etwas Seltsames. Das Gesetz verschwand.
Was der Online Dating Safety Act verlangt hätte
Der Gesetzentwurf hatte zwei Kernforderungen, die eine Ausweispflicht Dating Apps in den USA eingeführt hätten.
Erstens: Jede Dating-App müsste einen amtlichen Ausweis von neuen Nutzern verlangen. Führerschein, Personalausweis, Reisepass. Die üblichen Verdächtigen.
Zweitens: Wenn du mit jemandem schreibst, der später wegen Betrug gesperrt wird, müsste die App dich informieren. Stell dir vor, du triffst jemanden auf Tinder. Ihr textet eine Weile. Dann stellt sich raus, dass diese Person fünf andere Frauen um Geld betrogen hat. Nach dem Gesetz hätte Tinder dich warnen müssen.
Das klingt eigentlich vernünftig.
Warum der Online Dating Safety Act im Senat starb
Der Online Dating Safety Act schaffte es durch das Repräsentantenhaus, ohne dass eine einzige Person dagegen stimmte. Beide Parteien waren sich einig. Das passiert in Washington so gut wie nie.
Dann kam der Senat. Und dann kam der Januar 2025. Der 118. Kongress endete. Der Online Dating Safety Act verschwand in der Schublade, bevor er jemals in Kraft treten konnte.
Im März 2025 hat Senatorin Marsha Blackburn einen ähnlichen Entwurf eingereicht. Sie konzentriert sich auf Senioren, die besonders oft Opfer werden. Menschen zwischen 65 und 74 verlieren durchschnittlich über 13.000 Dollar pro Betrugsfall.
Ob dieser neue Versuch Erfolg hat? Ich weiß es nicht. Die Chancen stehen nicht besonders gut.
Die Zahlen hinter dem Problem
Vielleicht denkst du: Wer fällt denn auf solche Betrüger rein? Laut Pew Research haben 52% aller Online-Dater schon mal jemanden getroffen, der sie offensichtlich betrügen wollte.
Die FTC meldet für 2023 einen Schaden von 1,14 Milliarden Dollar allein in den USA. 64.003 Beschwerden. Der durchschnittliche Verlust pro Person: 2.000 Dollar.
Das ist kein kleines Problem. Romance Betrug ist keine Kleinigkeit mehr. Es ist eine milliardenschwere Industrie.
Wenn du lernen willst, wie du Fake Profile erkennen kannst, bevor du Geld verlierst, haben wir einen praktischen Guide mit 5 Warnsignalen.
Das Datenschutz-Dilemma
Jetzt wird es unangenehm.
80% aller Dating-Apps verkaufen deine Daten. Die Mozilla Foundation hat 2024 nachgefragt: Mehr als die Hälfte konnte nicht mal bestätigen, dass sie grundlegende Sicherheitsstandards einhalten.
Das sind die gleichen Apps, die jetzt deinen Ausweis wollen. Genau das hätte der Online Dating Safety Act von allen US-Nutzern verlangt.
Die Electronic Frontier Foundation nennt das "im besten Fall aufdringlich, im schlimmsten Fall gefährlich." Das ist höflich formuliert. Dating-Apps sind bereits ein Datenschutz-Albtraum. Wenn Tinder nicht mal deinen Standort geheim halten kann, sollen sie dann Zugriff auf deinen Personalausweis bekommen?
Privacy Guides macht einen wichtigen Punkt: Für LGBTQ+ Nutzer, Opfer häuslicher Gewalt oder Menschen in Ländern mit repressiven Regierungen kann Anonymität lebenswichtig sein.
Die DSGVO-Illusion
Deutsche Nutzer wiegen sich in falscher Sicherheit. "Wir haben doch die DSGVO." Stimmt. Und trotzdem:
Belgische Forscher haben 2024 herausgefunden, dass Bumble und Hinge deinen Standort auf wenige Meter genau verfolgen. Auch wenn du ihn verbirgst. Die Apps ignorieren deine Einstellung und triangulieren deine Position über andere Methoden.
Die DSGVO-Beschwerde gegen Bumble zeigt, dass große Dating-Apps bereits mit persönlichen Daten fahrlässig umgehen. Und jetzt sollen sie auch noch deinen Ausweis bekommen?
Die DSGVO schreibt vor, dass Apps das nicht dürfen. Die Apps tun es trotzdem. Die Strafen kommen Jahre später, wenn überhaupt. Deine Daten sind dann längst weg.
Was andere Länder machen
Die USA sind nicht allein mit diesem Problem. Während der Online Dating Safety Act in Washington scheiterte, haben andere Länder eigene Wege gefunden, Dating-App-Sicherheit zu regulieren.
Australien setzt auf freiwillige Selbstregulierung. Mit einer Drohung im Kleingedruckten: Wenn ihr es nicht selbst regelt, regeln wir es für euch.
Großbritannien hat die Geduld verloren. Das Online Safety Act sieht Strafen bis zu 18 Millionen Pfund vor. Oder 10% des weltweiten Umsatzes. Was immer mehr ist. Die Apps verstehen keine höflichen Bitten. Sie verstehen Geld.
Die EU? Hat keinen Plan. Interessanterweise setzt Deutschland auf Altersverifikation ohne Ausweispflicht. Ein Mittelweg, der Jugendschutz und Datenschutz balanciert.
Der Verifizierungs-Trick
Bumble zahlte 2024 in New Jersey 315.000 Dollar Strafe. Sie hatten Nutzer glauben lassen, verifizierte Profile hätten einen Background-Check durchlaufen.
Hatten sie nicht.
Die Dating App Verifizierung sagt nichts darüber aus, ob die Person dich betrügen wird. Verifizierung bedeutet nur: Diese Person existiert. Es bedeutet nicht: Diese Person ist vertrauenswürdig. Es bedeutet nicht: Diese Person hat keine kriminelle Vergangenheit. Es bedeutet nicht: Diese Person wird dich nicht betrügen.
Das ist nicht der einzige Fall fragwürdiger Sicherheitspraktiken: Match Group führt seit Jahren eine geheime Datenbank bekannter Täter, lässt diese aber weiterhin aktiv auf Tinder, Hinge und OkCupid.
Das blaue Häkchen ist Theater. Sicherheit ist es nicht.
Was der gescheiterte Online Dating Safety Act uns lehrt
Der Online Dating Safety Act zeigt ein Dilemma, das kein Land bisher gelöst hat: Wie schützt man Menschen vor Betrug, ohne ihre Privatsphäre zu gefährden?
Die Ausweispflicht klingt nach einer einfachen Lösung. Aber sie ignoriert, dass Dating-Apps bereits jetzt ein massives Datenschutzproblem haben. Der Online Dating Safety Act hätte Dating App Verifizierung zur Pflicht gemacht. Aber Verifizierung allein schafft keine Sicherheit.
Die eigentliche Lehre: Technische Lösungen allein reichen nicht. Solange Apps unsere Daten verkaufen und Betrüger kaum Konsequenzen fürchten müssen, wird sich wenig ändern.
Was das für dich bedeutet
Das Gesetz ist gescheitert. Die Apps regulieren sich nicht selbst. Die Betrüger werden nicht aufhören. Auch ohne den Online Dating Safety Act bleibt das Problem bestehen.
Du bist auf dich allein gestellt.
Das blaue Häkchen schützt dich nicht. Die Verifizierung schützt dich nicht. Die AGB schützen dich nicht.
Was hilft: Misstrauen. Schick kein Geld an Menschen, die du nur online kennst. Lerne die Love Scamming-Warnsignale zu erkennen, bevor es zu spät ist. Wenn jemand nach Geld fragt, blockier ihn. Wenn jemand zu perfekt wirkt, ist er es nicht. Wenn sich etwas falsch anfühlt, ist es falsch.
Die Dating-Apps haben bewiesen, dass sie deine Daten nicht schützen können. Erwarte nicht, dass sie dich vor Betrügern schützen.
Häufig gestellte Fragen
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei SparkChambers setzen wir auf verifizierte Profile, die Sicherheit UND Privatsphäre verbinden, ohne deinen Ausweis in Datenbanken zu speichern. Entdecke, wie wir Sicherheit und Privatsphäre verbinden.