128.600 Deutsche leben als Swinger. Aber wie oft denkst du darüber nach, dass die Person neben dir im Supermarkt vielleicht am Wochenende eine völlig andere Seite lebt?
Die erste große wissenschaftliche Swinger Studie Deutschland (publiziert im Januar 2025 in Archives of Sexual Behavior) zeigt: Die Community ist älter, ausgeglichener und deutlich anders als die gängigen Klischees vermuten lassen. Der Forscher Oliver Maor von der Uni Hagen hat 22.973 verifizierte Profile und 82 Veranstaltungen analysiert. Seine Ergebnisse räumen mit einigen hartnäckigen Vorurteilen auf.
Swinger Demografie: Die Studie widerspricht den Klischees
Vergiss das Klischee vom älteren Mann mit deutlich jüngerer Partnerin. In der deutschen Swingerszene liegt das Median-Alter bei 44 (Frauen) und 46 (Männer). Der typische Altersunterschied in Paaren? Drei Jahre.
Das überrascht. In populären Darstellungen wird Swinging oft mit einer Generation 25 bis 35 assoziiert. Die Realität sieht anders aus: Weniger als 10% der Community sind unter 30. Swinging in Deutschland ist primär eine Aktivität von Menschen, die bereits Lebenserfahrung, stabile Beziehungen und (vermutlich) die Selbstsicherheit haben, offen über Wünsche zu sprechen.
Mehr über was Swinging in der Praxis bedeutet erfährst du in unserem umfassenden Guide.
Solo-Frauen: Der Unicorn-Mythos stimmt nicht
In der englischsprachigen Szene werden alleinreisende Frauen als "Unicorns" bezeichnet. So selten, dass man sie kaum findet. In Deutschland? Kompletter Unsinn.
12,4% der Profile gehören laut der Swinger Studie Deutschland Solo-Frauen. Das ist deutlich mehr als in US-amerikanischen oder britischen Studien. Solo-Männer liegen bei 30,4%, Paare bei 57,2%. Das Geschlechterverhältnis ist ausgeglichener, die "Unicorn"-Bezeichnung passt hier schlicht nicht.
Warum der Unterschied? Die Studie gibt keine definitive Antwort, aber eine offenere Kultur rund um Sexualität könnte Frauen mehr Freiraum geben, solo teilzunehmen, ohne den sozialen Druck oder die Sicherheitsbedenken, die in konservativeren Ländern präsenter sind.
Regionale Unterschiede: Von 80 bis 380 pro 100.000 Einwohner
Diese Swinger Statistik zeigt erstmals regionale Unterschiede in Deutschland: Die Swinger-Dichte variiert stark nach Region. Im Landkreis Prignitz liegt sie bei 80,7 pro 100.000 Einwohner, in Ulm bei 380,5.
Interessante Großstadtzahlen: Berlin kommt auf 106,2, Leipzig auf 246,2 und Köln auf 298,6 pro 100.000 Einwohner. Überraschung: Wirtschaftliche Faktoren spielen keine Rolle. Ob reich oder arm, Stadt oder Land – die Swinger-Dichte folgt keinem erkennbaren wirtschaftlichen Muster.
Preise: Solo-Frauen zahlen 62% weniger
Die Eintrittspreise für Events zeigen deutliche Unterschiede. Solo-Frauen zahlen durchschnittlich €34,47, Solo-Männer €89,90. (Fast das Dreifache. Überraschung? Nicht wirklich.) Paare liegen bei €94 bis €103.
Überraschend: Die Studie fand keine Korrelation zwischen niedrigeren Preisen für Frauen und höherer weiblicher Teilnahme. Der Rabatt bringt also nicht automatisch mehr Frauen zur Veranstaltung.
Deutschland vs. Nordamerika: Liberaler, aber weniger Swinger
Hier wird's paradox: Deutschland gilt als sexuell aufgeklärter als die USA oder Kanada. Trotzdem liegt die Swinger-Rate hier bei 0,21%, während nordamerikanische Studien 4 bis 9% für konsensuell nicht-monogame Beziehungsformen nennen.
Forscher Oliver Maor hat eine Erklärung: "In Deutschland ist Sexualität so selbstverständlich Teil des Lebens, dass der rebellische Reiz fehlt. Swinging wird zu einer von vielen Freizeitoptionen."
Anders gesagt: Wo Sex kein großes Tabu ist, verliert die Grenzüberschreitung ihren Nervenkitzel. In konservativeren Kulturen kann allein das "Verbotene" ein zusätzlicher Kick sein, was in Deutschland schlicht wegfällt. Weniger Aufregung, weniger Teilnehmer.
Viele Paare fragen sich, wie sie offene Gespräche über alternative Beziehungsformen mit ihrem Partner beginnen können.
Event-Präferenzen: Sex-fokussiert über alle Altersgruppen
Die 82 analysierten Events von Swingerclubs in Deutschland teilten sich in 52 Standard-Swinger-Events, 21 sex-fokussierte Events und vereinzelte Food- oder Kombinations-Veranstaltungen.
Was wollen die Teilnehmer? Sex-fokussierte Events. Über alle Altersgruppen. Die Idee vom "geselligen Abend mit optionalem Nebeneffekt"? Nicht so beliebt wie gedacht.
Mehr als 20% der Teilnehmer reisten über 100 km zu Veranstaltungen. Bei kombinierten Events mit sozialem Anteil stieg dieser Wert auf 37,1%. Die Bereitschaft zu reisen zeigt sich auch in der wachsenden Popularität von Swinger-Urlaube und spezialisierten Resorts, die ein komplettes Lifestyle-Erlebnis bieten.
Was die Swinger Studie für Deutschland bedeutet
Die Daten stammen von JOYclub, Deutschlands führender Plattform mit über 5 Millionen Nutzern. Die Plattform rangiert als 66. meistbesuchte Website Deutschlands.
Was bleibt? Die deutsche Swingerszene ist älter, ausgeglichener und viel normaler als die Klischees suggerieren. Es sind nicht die wild-enthemmten Zwanziger, sondern Menschen in ihren Vierzigern, die wissen, was sie wollen und wie sie darüber sprechen.
Diese ausgeglichene Dynamik zeigt sich auch bei Paarprofilen auf Plattformen wie SparkChambers, wo Paare gemeinsam nach Gleichgesinnten suchen. Trotzdem sind Verlustängste in offenen Beziehungen eine reale Herausforderung, die viele Paare beim Einstieg in den Lifestyle erleben.
Solche Daten helfen, Vorurteile abzubauen. Sie zeigen: Swinging ist kein Randphänomen von "den Anderen". Es sind Nachbarn, Kollegen, Menschen im Supermarkt.
Du suchst eine Community, die Offenheit und Respekt lebt? Schau dir SparkChambers an – ein Ort für Menschen, die authentische Verbindungen suchen, ohne sich hinter Klischees zu verstecken.